Schulbildung in Burkina Faso

Das Bildungssystem in Burkina Faso entspricht - abgesehen von einigen geringfügigen Änderungen und Anpassungen hier und da - dem von Frankreich in allen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen(Primar-, Sekundär-und Hochschulbildung). Prinzipiell könnten also die Jugendlichen von den Vorzügen eines der besten Schulsysteme der Welt profitieren. Es gibt aber gewaltige Probleme zu lösen:

 

- Das Schulwesen ist sehr jung.  Die Grundlagen für ein flächendeckendes Bildungssystems konnten erst nach Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1960 gelegt werden. (Das österreichische Schulwesen wurde unter Maria Theresia im Jahr 1774 gegründet. Sie führte die öffentliche Schule und eine Schulpflicht von sechs Jahren ein.)

 

- Der Alphabetisierungsgrad - Anteil der Personen über 14, die lesen und schreiben können - beträgt erst ca. 22%. Dies zu verbessern, ist eine langfristige Aufgabe. (Österreich hatte erst gegen 1930, gut 150 Jahre nach Maria Theresia, die 90%-Marke überschritten.)

 

- Schulbildung ist in der Theorie frei und obligatorisch bis zum Alter von 16 Jahren aber die Regierung verfügt nicht über ausreichende Ressourcen, um überall unentgeltlichen Grundschulunterricht anzubieten und vor allem, die erforderliche Infrastruktur bereitzustellen. Der Anteil von jungen Menschen unter 15 ist wie in fast allen Staaten Afrikas sehr hoch und beträgt ca. 46% der Gesamteinwohnerzahl. (In Österreich ist es ca. 15% -  d.h.  85% der Bevölkerung trägt die Kosten des Bildungssystems und nicht nur 54% wie in Burkina Faso.)

 

- Nur etwa 72% der schulpflichtigen Kinder werden eingeschrieben und etwa 40% von den Eingeschriebenen absolvieren die Grundschule überhaupt. Grund sind das niedrige Einkommen der Familien, die tatsächlichen Kosten von Schulmaterial, Schulgeld, mangelnde Infrastruktur und Lehrer. Viele Familien können nur ein Kind zur Schule schicken. Es ist meist der älteste Junge. Die anderen müssen Geld für die Familie verdienen. Trotzdem sind die Klassen sehr groß.Die gesetzliche Obergrenze für eine Klasse beträgt 65 Schüler (in Österreich 25), aber in vielen ländlichen Gebieten sind die Klassen wegen Mangel an Resourcen viel größer. 

 

Die Unterrichtssprache ist Französisch- und zwar von der ersten Schulklasse an. Burkina Faso ist nämlich, wie fast alle Staaten Afrikas, ein Vielvölkerstaat mit einer enormen Sprachvielfalt. Unter den ca. 14 Millionen Einwohnern finden wir Vertreter von fast 70 Völkern. Diese Vielfalt "schreit" nach einer gemeinsamen Sprache.

(Aber warum Französisch? Um ethnischen Kriegen vorzubeugen und um den Anschluss zu den Errungenschaften der westlichen Welt nicht zu verlieren, wurde mit der Unabhängigkeit fast überall in subsaharischem Afrika die Sprache der ehemaligen Kolonialherren als Amts- und Unterrichtssprache eingeführt.)

Französisch wird allerdings immer noch  nur von ca. 15% der Bevölkerung beherrscht. Die Familien können in der Regel weder dem Kind bei den Schulaufgaben helfen noch mit dem Lehrer kommunizieren, weil er oft aus einer anderen Sprachregion kommt.